Anette Kramme, MdB, SPD
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Ich habe mir vorhin noch einmal diesen
Beitrag der ARD angeschaut; Ausgeliefert heißt er. Es ist
tatsächlich ein Ausgeliefertsein von Leiharbeitnehmern,
die für die Firma Amazon tätig waren.
Da sind unglaubliche Vorgänge passiert. Bei der
Anwerbung sind die Menschen davon ausgegangen, dass
sie einen anderen Vertragspartner haben, als es dann
tatsächlich der Fall war: Statt Amazon war es eine
Leiharbeitsfirma. Die Löhne haben sich als niedriger als
erwartet herausgestellt: Statt 9,68 Euro immerhin 12 Prozent
weniger, 8,52 Euro. Tagelang wurde bei einzelnen
Leiharbeitnehmern der Arbeitsantritt hinausgezögert, um
entsprechend dem Arbeitsanfall bei Amazon agieren zu
können. Überhaupt war ganz viel Warten bei den
Leiharbeitnehmern angesagt: Warten auf den Bus, der sie zur
Firma gebracht hat bzw. wieder zurück zur Unterkunft;
Warten, wenn keine Arbeit da war. Die Unterkünfte
waren überfüllt, teilweise wohl auch in einem verheerenden
Zustand.
Es gibt einen Aspekt, der dem Ganzen die Krone
aufgesetzt hat: eine Sicherheitsfirma, deren Mitarbeiter
paramilitärisch aufgetreten sind und die möglicherweise
der rechten Szene zuzuordnen ist. Ich denke, es hat sehr
einschüchternd auf diese Menschen gewirkt, wenn
einerseits Taschen kontrolliert worden sind, aber andererseits
wohl auch die Unterkunftsräume. Wir haben den
Verdacht, dass Sozialversicherungsabgaben auf die Kosten
der Unterkunft, auf die Kosten für Logis nicht abgeführt
worden sind, die wohl durch die Leiharbeitsfirma
übernommen worden sind.
Meines Erachtens kann man das Ganze mit
folgendem Begriff zusammenfassen: Da hat
Menschenschinderei stattgefunden. Es ist eine barbarische Ausbeutung,
die wir bei der Firma Amazon zu beobachten haben.
Aber der Skandal bei Amazon bezieht sich nicht nur
auf die Leiharbeitnehmer. Beispielsweise war es am
Standort Koblenz in der Weihnachtszeit so, dass von
3 300 Beschäftigten tatsächlich nur 200 über eine
Festanstellung verfügten. Am Standort Augsburg ist es so,
dass auch nur knapp 20 Prozent der bei Amazon tätigen
Menschen unbefristete Arbeitsverträge haben.
So stellt sich natürlich folgende Frage: Was macht
Politik? Die Politik droht mit dem Entzug der
Verleiherlaubnis für eine einzelne Leiharbeitsfirma. Ich sage:
Damit ist Politik oder, um es konkret an Namen
festzumachen, die Bundesministerin von der Leyen nicht
besser als ihre Kollegin Aigner. Man kündigt lautstark
wirkungslose Maßnahmen an, ohne tatsächlich zum
Handeln bereit zu sein.
Bundesministerin von der Leyen hechelt von Schlecker
zu Amazon. Es gibt keinerlei Bereitschaft,
anzuerkennen, dass hinter all den Praktiken dieser Firmen Methoden
und Prinzipien stehen, die den gesamten Arbeitsmarkt in
Deutschland insbesondere im Niedriglohnsektor immer
wieder beeinträchtigen.
Hier stellt sich die Frage an die Regierungskoalition,
was mit dem Vorhaben Mindestlohn ist. Wenn ich mir
die Vorschläge von der Leyens anschaue, stelle ich fest,
dass sie auch nicht sonderlich schön sind. Zu sagen, dass
ein Mindestlohn immer dann keine Anwendung findet,
wenn ein Tarifvertrag existiert oder auf einen solchen
Bezug genommen wird, ist nichts anderes als Heuchelei.
In der Bundesrepublik Deutschland gibt es Hunderte von
Tarifverträgen, die Löhne von unter 6,50 Euro pro
Stunde vorsehen.
Was ist mit Ihren Vorhaben zur Leiharbeit? Es gab
großartige Ankündigungen der Ministerin. Und was
macht man?
Man schließt eine winzige Regelungslücke. Man nimmt
dem sogenannten Drehtüreffekt die Wirkung; aber man
ist nicht einmal bereit, die europäische
Leiharbeitsrichtlinie europarechtskonform umzusetzen, geschweige
denn, konsequent Equal Pay und Equal Treatment
einzuführen.
Was machen Sie gegen Befristungen in dieser
Republik, Herr Fuchtel? Wir wissen, dass je nach
Konjunkturlage 40 bis 50 Prozent aller Neueinstellungen befristet
sind. Auch hiergegen kein Vorgehen, auch wenn es so
einfach wäre, zumindest die sachgrundlose Befristung
zu streichen. Was ist mit der Ausstattung von
Kontrollbehörden? Man kann es mit einem Satz
zusammenfassen: Diese Bundesregierung ist nicht bereit, Recht und
Ordnung auf dem Arbeitsmarkt zu realisieren.
Herzlichen Dank.
Kollegen! Ich habe mir vorhin noch einmal diesen
Beitrag der ARD angeschaut; Ausgeliefert heißt er. Es ist
tatsächlich ein Ausgeliefertsein von Leiharbeitnehmern,
die für die Firma Amazon tätig waren.
Da sind unglaubliche Vorgänge passiert. Bei der
Anwerbung sind die Menschen davon ausgegangen, dass
sie einen anderen Vertragspartner haben, als es dann
tatsächlich der Fall war: Statt Amazon war es eine
Leiharbeitsfirma. Die Löhne haben sich als niedriger als
erwartet herausgestellt: Statt 9,68 Euro immerhin 12 Prozent
weniger, 8,52 Euro. Tagelang wurde bei einzelnen
Leiharbeitnehmern der Arbeitsantritt hinausgezögert, um
entsprechend dem Arbeitsanfall bei Amazon agieren zu
können. Überhaupt war ganz viel Warten bei den
Leiharbeitnehmern angesagt: Warten auf den Bus, der sie zur
Firma gebracht hat bzw. wieder zurück zur Unterkunft;
Warten, wenn keine Arbeit da war. Die Unterkünfte
waren überfüllt, teilweise wohl auch in einem verheerenden
Zustand.
Es gibt einen Aspekt, der dem Ganzen die Krone
aufgesetzt hat: eine Sicherheitsfirma, deren Mitarbeiter
paramilitärisch aufgetreten sind und die möglicherweise
der rechten Szene zuzuordnen ist. Ich denke, es hat sehr
einschüchternd auf diese Menschen gewirkt, wenn
einerseits Taschen kontrolliert worden sind, aber andererseits
wohl auch die Unterkunftsräume. Wir haben den
Verdacht, dass Sozialversicherungsabgaben auf die Kosten
der Unterkunft, auf die Kosten für Logis nicht abgeführt
worden sind, die wohl durch die Leiharbeitsfirma
übernommen worden sind.
Meines Erachtens kann man das Ganze mit
folgendem Begriff zusammenfassen: Da hat
Menschenschinderei stattgefunden. Es ist eine barbarische Ausbeutung,
die wir bei der Firma Amazon zu beobachten haben.
Aber der Skandal bei Amazon bezieht sich nicht nur
auf die Leiharbeitnehmer. Beispielsweise war es am
Standort Koblenz in der Weihnachtszeit so, dass von
3 300 Beschäftigten tatsächlich nur 200 über eine
Festanstellung verfügten. Am Standort Augsburg ist es so,
dass auch nur knapp 20 Prozent der bei Amazon tätigen
Menschen unbefristete Arbeitsverträge haben.
So stellt sich natürlich folgende Frage: Was macht
Politik? Die Politik droht mit dem Entzug der
Verleiherlaubnis für eine einzelne Leiharbeitsfirma. Ich sage:
Damit ist Politik oder, um es konkret an Namen
festzumachen, die Bundesministerin von der Leyen nicht
besser als ihre Kollegin Aigner. Man kündigt lautstark
wirkungslose Maßnahmen an, ohne tatsächlich zum
Handeln bereit zu sein.
Bundesministerin von der Leyen hechelt von Schlecker
zu Amazon. Es gibt keinerlei Bereitschaft,
anzuerkennen, dass hinter all den Praktiken dieser Firmen Methoden
und Prinzipien stehen, die den gesamten Arbeitsmarkt in
Deutschland insbesondere im Niedriglohnsektor immer
wieder beeinträchtigen.
Hier stellt sich die Frage an die Regierungskoalition,
was mit dem Vorhaben Mindestlohn ist. Wenn ich mir
die Vorschläge von der Leyens anschaue, stelle ich fest,
dass sie auch nicht sonderlich schön sind. Zu sagen, dass
ein Mindestlohn immer dann keine Anwendung findet,
wenn ein Tarifvertrag existiert oder auf einen solchen
Bezug genommen wird, ist nichts anderes als Heuchelei.
In der Bundesrepublik Deutschland gibt es Hunderte von
Tarifverträgen, die Löhne von unter 6,50 Euro pro
Stunde vorsehen.
Was ist mit Ihren Vorhaben zur Leiharbeit? Es gab
großartige Ankündigungen der Ministerin. Und was
macht man?
Man schließt eine winzige Regelungslücke. Man nimmt
dem sogenannten Drehtüreffekt die Wirkung; aber man
ist nicht einmal bereit, die europäische
Leiharbeitsrichtlinie europarechtskonform umzusetzen, geschweige
denn, konsequent Equal Pay und Equal Treatment
einzuführen.
Was machen Sie gegen Befristungen in dieser
Republik, Herr Fuchtel? Wir wissen, dass je nach
Konjunkturlage 40 bis 50 Prozent aller Neueinstellungen befristet
sind. Auch hiergegen kein Vorgehen, auch wenn es so
einfach wäre, zumindest die sachgrundlose Befristung
zu streichen. Was ist mit der Ausstattung von
Kontrollbehörden? Man kann es mit einem Satz
zusammenfassen: Diese Bundesregierung ist nicht bereit, Recht und
Ordnung auf dem Arbeitsmarkt zu realisieren.
Herzlichen Dank.