Politics

Martina Englhardt-Kopf, MdB, CDU/CSU

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Im Laufe des letzten Jahres ist sehr deutlich
geworden, dass Einigkeit in Sachen Verkehrspolitik nicht zu den Stärken dieser Koalition gehört: Wir hatten den Streit um die Maut, den Streit um die
Planungsbeschleunigung bei Autobahnen, den Streit um die weitere Verwendung von Biokraftstoffen und vieles mehr.
Beim Radverkehr sollten wir eigentlich alle einig sein. Jedenfalls steht in Ihrem Koalitionsvertrag: Der Nationale Radverkehrsplan muss umgesetzt
werden. Doch auch ein Konsens in dieser Regierung scheint nicht zwingend zu Handlungen zu führen; denn bis jetzt ist noch kein einziges Gesetz für den
Radverkehr von der Ampel beschlossen worden. Das ist einfach Fakt seit 2021. Deshalb heute hier unser Antrag, um dem Ganzen auch Nachdruck zu verleihen.
Es wurde häufig das SonderprogrammStadt und Landdiskutiert, die Programme wurden angesprochen als vorbildliche Handlungen. Das kommt aberdiesen
Vorwurf müssen Sie sich heute gefallen lassenalles aus der unionsgeführten Regierungszeit, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Die Vorarbeit ist erledigt. Den Nationalen Radverkehrsplan hat die ehemalige Regierung gemacht, zusammen mit den Ländern, mit den Gemeinden, mit den
Verbänden, mit den Bürgerinnen und Bürgern. Es liegt alles in der Schublade. Es geht jetzt nur um die Umsetzung, damit wir auch das Fahrrad als Verkehrsträger
weiter stärken.

Natürlich freuen wir uns über die letzten Ankündigungen, die 15 Millionen Euro, die Sie bis 2027 für Modellvorhaben ausgeben möchten. Ein Blick in die
Verhältnisse zur Zeit der Vorgängerregierung zeigt aber, dass für die Jahre 2020 bis 2023 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung standenein völlig anderes Niveau!
Was wir jetzt brauchen, sind nicht mehr schöne Worte, wie wir sie heute gehört habenund wir sind fast am Ende der Debatte –, nein, wir brauchen eine konkrete
Umsetzung, wir brauchen Zielvorgaben, und wir brauchen auch die Mittelhinterlegung, damit wir endlich weiterkommen.
Und natürlich brauchen wir den Radverkehr auch in den ländlichen Räumen, also Radwege entlang von Landstraßen. Der Radtourismus hat viele Chancen in
der Stadt, aber auch auf dem Land. Hierin steckt viel Potenzial. Das Rad ist umweltfreundlich.
Wir brauchen auch ein Denken an kombinierten Verkehr; ich denke hier an die Verbindung von Fahrrad und Bahn. Es gehtdas wurde heute schon
angesprochenauch um die Vernetzung.
Deshalb wünschen wir uns nicht dasSchneckentempo“, wie dieSüddeutsche Zeitungin dieser Woche getitelt hat, sondern wir brauchen den von Ihnen
vielbeschworenen Turbo, ein Deutschlandtempo, um hier schnell und tatkräftig vorwärtszukommenfür Millionen Bürgerinnen und Bürger, die gerne das Fahrrad
nutzen, nicht nur, weil es gesundheitlich gut ist, sondern, weil sie damit gut vorwärtskommen können, weil sie sich dadurch viele Möglichkeiten erschließen.
Dafür braucht es keine Wahlplakate wie vorher angesprochen oder schöne Worte. Lassen Sie der heutigen Debatte Taten folgen!
Herzlichen Dank.