Politics

Dr. Saskia Ludwig, MdB, CDU/CSU

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten
Damen und Herren! Der Antrag, über den wir hier
debattieren, setzt an einem richtigen Punkt an: Energie ist zu
teuer. Die Versorgungssicherheit ist keine
Selbstverständlichkeit. Die Wettbewerbsfähigkeit bei uns steht unter
Druck. Täglich gehen wertvolle Arbeitsplätze verloren.
Wer Industrie und Mittelstand in Deutschland halten will,
aber auch private Haushalte ernst nimmt, sollte drei
Fragen beantworten: Kommt der Strom, wenn er gebraucht
wird? Zu welchem Preis? Und: Bleibt die Wertschöpfung
im Land?
Das Ziel teilen wir: bezahlbare, sichere, verfügbare
Energie. Die Therapie des Antrages teilen wir nicht.
Eine komplette Rückabwicklung der bestehenden
Energiepolitik ist kein realistischer Fahrplan und auch
volkswirtschaftlich nicht sinnvoll.

Aber: Genauso unrealistisch ist es, so weiterzumachen
wie bisher: Zubau ohne Systemkosten ins Netz schieben,
im Zweifel importieren.

Wind und Sonne sind ein Teil der Stromerzeugung.
Diese Art der Stromerzeugung liefert aber nur 18 Prozent
unseres Energiebedarfs in Deutschland, was gern
vergessen wird. Diese Art der Stromerzeugung ist auch
wetterabhängig, und sie liefert nicht automatisch an einem
Januartag um 19 Uhr Strom.

– Ja, dann können wir gleich darüber diskutieren, ob Sie
wissen, was das kosten würde, das für zehn Tage mit
Speichern abzupuffern.

Wer das nämlich ignoriert, der plant vorbei an dem, was
wir brauchen.
Der Fehler der letzten Jahre war nicht, dass überhaupt
erneuerbare Energien installiert wurden. Der Fehler war,
oft ohne Netz, ohne steuerbare Leistung und ohne
ehrliche Systemkosten zu bauen.

2025 lagen die Kosten allein für das
Netzengpassmanagement bei rund 3 Milliarden Euro. Das zahlen am
Ende die Kunden über die Netzentgelte. Weniger
Engpässe heißt: weniger Kosten. Deshalb muss der Zubau
dorthin, wo er dem Netz nutzt, dorthin, wo er zur Last
passt, also nicht an jeden Standort und nicht um jeden
Preis. Politische Zielzahlen ersetzen keine Physik.

Entscheidend ist, ob an einem dunklen, windarmen
Winterabend genug gesicherte Leistung im Land steht. Wenn
nicht, dann hilft auch keine Prozentmarke.
Deutschland ist, Frau Beck, seit 2023 Nettoimporteur.
Ich glaube, darüber muss man nicht diskutieren, was das
bedeutet.

Es gibt einen Unterschied zwischen Import und Export.
Und wir haben mittlerweile einen Importüberschuss von
21,9 Terawattstunden – steigend.
Europäischer Handel ist sinnvoll; das ist richtig. Er
gleicht Preise und Erzeugung aus. Aber er ersetzt eben
keine eigene gesicherte Leistung, erst recht nicht in dem
Moment, in dem Europa insgesamt das gleiche Problem
hat.

Wir brauchen steuerbare Leistung heute und neue,
planbare Kapazität morgen. Ich habe leider nicht genug
Zeit, um darauf einzugehen, was mit den alten
Kernkraftwerken passiert ist, ob man sie wieder anschalten kann
oder nicht. Fakt ist aber, dass Deutschland Kerntechnik
nicht aus Prinzip ausblenden darf.

Der alte Gegensatz „Erneuerbare oder Kernenergie“ ist
wirtschaftlich und technisch überholt.

Es gibt dort keinen Gegensatz. Deswegen gibt es einen
klaren Weg: Die Option auf SMRs und Fusion müssen
wir uns offenhalten. Wir wissen, dass allein die
Rechenzentren, die wir heute schon haben, 3 bis 4 Prozent des
Strombedarfes benötigen – und wir stehen erst am
Anfang beim Ausbau dieser.
Meine Damen und Herren, Versorgungssicherheit
heißt aber auch, dass wir das nutzen müssen, was wir
haben, zum Beispiel Biomethan. Biomethan ist
speicherbar, steuerbar und läuft über vorhandene
Gasinfrastruktur. Wer mehr davon will, muss Investitionen finanzierbar
machen. Zehn Jahre Trennungsschutz für Neuanlagen
reichen dafür nicht aus.

Typische Horizonte liegen bei 20 Jahren. Sonst entsteht
die absurde Lage, politisch mehr heimisches Gas zu
fördern und es gleichzeitig kreditunfähig zu machen.
Meine Damen und Herren, die Entlastungen aus dem
Jahr 2026 nehmen Druck aus dem System – das ist
richtig –; aber dies ist kein Ersatz für niedrige Energiekosten.
Solange Redispatch-Reservevorhaltungen und
Netzengpässe hoch bleiben, zahlen Bürger und Betriebe doppelt.
Auf der einen Seite wird der Preis gezahlt, auf der
anderen Seite Steuern, die dieses System hoch
subventionieren.
Die Problemdiagnose des Antrages ist in weiten Teilen
richtig – das habe ich gesagt –: Preis, Versorgung,
Standort. Richtige Diagnose heißt aber eben nicht unbedingt
richtige Therapie. Was muss gemacht werden?