Politics

Matthias Hauer, MdB, CDU/CSU

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Sanktionenzum Beispiel gegen russische Kriegsprofiteuremüssen auch in Deutschland
endlich konsequent umgesetzt werden. Dieses Ziel verfehlen SPD, Grüne und FDP mit ihrem Gesetz leider, und sie handeln gegen die einhelligen Ratschläge der
Fachleute. AlsZitat – „unausgegoren, untauglich, halbherzig und behäbigbewertet es zum Beispiel die Gewerkschaft der Polizei. Das Gesetz ist ein
Totalausfall mit Ansage.

Die Ampel blockiert Nutzungsverbote weiter, lässt also die sanktionierten Oligarchen, die Kollege Herbrand gerade erwähnt hat, weiter unbehelligt in
ihren Villen wohnen und Luxusautos fahren. Keine Fortschritte gibt es auch bei den Vermögen unklarer Herkunft. Bei der Transparenz im Geschäftsverkehr begnügen
Sie sich leider mit einer Minimallösung.
Herzstück des Gesetzes ist aber die neue Zentralstelle für Sanktionsdurchsetzung. Die soll erst einmal bei der Generalzolldirektion angesiedelt
werden, aber auch das nur vorübergehendalso eine Übergangslösung nach der anderen. Die Ampel schafft ein Zuständigkeitswirrwarr und eine neue zahnlose
Behörde ohne klare Kompetenzen.

Wir als Unionsfraktion schlagen stattdessen vor, die Zuständigkeiten bei einer Zollpolizei zu bündeln und sie mit angemessenen Befugnissen
auszustatten. Damit könnten Vermögen aufgespürt werden: sanktioniertes Vermögen, verdächtiges Vermögen und auch Vermögen unklarer Herkunft. Das wäre ein großer
Schritt bei der Sanktionsdurchsetzung und bei der Geldwäschebekämpfung.

Und das bestätigen auch die Sachverständigen. Auf die Sachverständigen will die Ampel aber bekanntlich nicht hören. Als Sie das Gesetz geschrieben
haben, spielten die ja auch keine Rolle. Gewerkschaften und Berufsverbände hatten damals 45 Stunden Zeit von der Ampel bekommen, um diesen knapp 100-seitigen
Referentenentwurf zu bewerten.

Damit haben Sie die Beteiligung zu einer Farce gemacht.
Als die Sachverständigen dann endlich zu Wort gekommen sindin der öffentlichen Anhörung im Finanzausschuss –, da haben die Sachverständigen kein
gutes Haar an der von der Ampel vorgesehenen Struktur gelassen.

Das hat zum Beispiel auch der SPD-Kollege Fiedler zutreffend vor wenigen Tagen bei einer öffentlichen Veranstaltung bei Transparency International
festgestellt. Komisch, dass ich ihn heute auf der Rednerliste gar nicht finde; dazu hätten mich seine Ausführungen doch interessiert.
Trotz all dieser einhelligen Ratschläge der Sachverständigen ziehen SPD, Grüne und FDP diesen Totalausfall weiter durch. Sie ignorieren den fachlichen
Rat der Profis. Und weil die Ampel ihr Gesetz im Finanzausschuss über den grünen Klee gelobt hatmein Folgeredner, Dr. Zimmermann, wird das gleich auch tun;
da bin ich sicher –, möchte ich mal die Sachverständigen in dieser Debatte zu Wort kommen lassen. Dafür stelle ich gerne die Hälfte meiner Redezeit zur
Verfügung.
Die Gewerkschaft der PolizeiBezirksgruppe Zollhat in der Anhörung gesagt: Die GdPrät von diesem Konstrukt insgesamt ab“. Wenn dieseBehörde
keinen Unterbauhat, dann ist sievor Ortvollkommen zahnlos“.

DieAufgaben können alle in bereits bestehenden Strukturen wahrgenommen werden.“
Der Bund Deutscher Kriminalbeamter äußerte sich in der Anhörung in genau die gleiche RichtungZitat –: Unser Vorschlag ist, dass wirdie
bestehenden Kompetenzennutzen“. – Der BDK sagte, dass wir es uns nicht leisten könnenZitat –, nochJahre auf den Aufbau und die Strukturierung einer
Behörde zu verwenden“.
Auch das Netzwerk Steuergerechtigkeit hat sich der Kritik in der Anhörung angeschlossenZitat –: Wir haben auch mit der GdP und dem BDKrelativ
ähnliche Vorstellungen …, wie das in bestehende Strukturen einsortiert werden soll“.

Genau die gleiche Kritik kam in der Anhörung auch von der Wissenschaft. Der Strafrechtler Professor Wegner sagteZitat –, dass essinnvoller wäre,
die bestehenden Strukturenaufzuwerten“. Und auch er kritisierte die von der Ampel geplante ZentralstelleZitat –: „Auf keinen Fall wird es funktionieren,
sich auf eine intellektuelle Kopfbehörde und deren Amtshilfeersuchen zu verlassen“.

Der Wirtschaftswissenschaftler Professor Winkler fasste zusammenZitat –: „In vielerlei Hinsicht enttäuscht dieser Entwurf uns alle, die wir im
Sanktionsbereich arbeiten, massiv.“
Auch das Presseecho der Anhörung war eindeutigZitat –: „Zentralstelle für Sanktionsdurchsetzung stößt auf Ablehnung“, um nur ein Beispiel zu
nennen.
Breite Ablehnung also für Ihre Strukturvorschläge. Es gab dann doch eine einzige Sachverständige, die das Gesetz nicht verbal zerrissen hat, nämlich
die von der Generalzolldirektion. Zufällig genau die Stelle, bei der die Ampel diese Zentralstelle zunächst ansiedeln will.

Und sogar diese Generalzolldirektion baut für den Fall des Scheiterns schon einmal vor. Ihre Vertreterin sagteZitat –:
Allerdings sehen wir Schwierigkeiten aufgrund des relativ kurzfristigen Zeitpunktes, zu dem die Arbeitsfähigkeit gesichert sein soll.
Weiter führt sie ausZitat –:
Für diese Aufgabe existiert kein speziell ausgebildetes Personal …, da diese Aufgabe ja vollständig neu ist.
Also selbst diejenigen, die die Aufgabe nach Wunsch der Ampel übernehmen sollen, schrauben die Erwartungen schon einmal nach ganz, ganz unten. Mit der
Sanktionsdurchsetzung geht es mit der Ampel jedenfalls nicht voran.
Die Ampel weiß eigentlich selbst, dass ihr Gesetz schlecht ist. Sie hat seitenweise Protokollerklärungen verlesen, was alles noch fehlt im Gesetz.
Nach dem schlechten SDG I haben Sie ein zweites angekündigt, nach dem zweiten schlechten kündigen Sie jetzt ein drittes an. Sie verbrennen bis dahin viel
Steuergeld, Sie verlieren Zeit, Sie schaffen Doppelstrukturen, und das Ganze bringt keinerlei Vorteile.
Schaffen Sie stattdessen jetzt eine Zollpolizei, mit der die Durchsetzung der Sanktionen sofort funktioniert und bestehende Strukturen gestärkt
werden! Dazu können Sie gerne unserem Antrag folgen.
Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.