Politics

David Mandrella, MdB, SPD

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Auerbach, Kastl, Sulzbach-Rosenberg, Lauterhofen, Mühlhausen, Schnaittenbach, Kümmersbruck – in diesen und vielen weiteren Gemeinden war ich die letzten Wochen bei mir daheim unterwegs und habe mich mit den jeweiligen Bürgermeistern vor Ort darüber ausgetauscht, was die Menschen für ein gutes Leben eigentlich brauchen.
Meine sehr verehrten Damen und Herren, in dieser Debatte über den Haushalt des Ministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat sprechen wir doch darüber, wofür wir als Gemeinschaft das Geld ausgeben, das wir vorher als Gemeinschaft eingenommen haben. Und die Frage, wie man das Geld am besten verwendet, stellen sich auch die Landwirte jedes Jahr aufs Neue. – Wer wissen möchte, wie sich das anfühlt, dem empfehle ich die entsprechende Computersimulation. Aber das jetzt mal beiseitegelassen! – Auch dort stellt man sich die Frage: Was bringt eigentlich der beste Traktor, wenn man sich den Pflug nicht leisten kann? Was bringt das beste Saatgut ohne ausreichend Dünger? – Nur wer alles zusammendenkt, holt die Ernte am Ende auch ein. Und genau diese Vielseitigkeit spiegelt sich auch in dem Entwurf wider: bei der sozialen Absicherung unserer Landwirte, bei der Versorgungssicherheit für unsere Ernährung und bei der Förderung unserer ländlichen Räume. Und das ist auch gut so.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, warum nehmen wir überhaupt öffentliches Geld und stecken es in Landwirtschaft und Heimat? Diese Frage stellt sich vielleicht leicht im großen Berlin, wo an jeder Ecke ein möglicher Treffpunkt ist; aber mein Wahlkreis ist von der Fläche her – das müssen Sie sich mal vorstellen – größer als Hamburg, Bremen und Berlin zusammen. Er ist auch größer als das ganze Saarland. Dort gibt es nicht an jeder Ecke einen Kiosk, ein Kulturhaus oder eine Kneipe. Umso mehr ist es mir ein Anliegen, auch dort vor Ort einen Anlaufpunkt für Vereine und Gemeinschaft zu schaffen. Denn egal ob Feuerwehr, Musikverein oder Kirwaverein: Sie schaffen einen Mehrwert für alle – auch für die, die nicht Mitglied sind. Oder anders gesagt: Es ist kein Zufall, dass in den Dörfern mit ein paar Hundert Einwohnern Tausende Besucher in die Bierzelte strömen.
Und genau für diese Menschen gibt es in diesem Haushalt, den wir heute beraten, die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“, kurz: GAK. Das klingt vielleicht technisch, aber es ist ein herausragendes Programm; denn gemeinsam mit den Ländern werden damit Dorferneuerungsprogramme finanziert. Genau das habe ich mir im Sommer, als ich in meiner Heimat unterwegs war, angeschaut. Und mir ist dabei eines aufgefallen: Das Amt für Ländliche Entwicklung, das dahintersteht, tritt den Kommunen nicht wie eine klassische Behörde gegenüber, die bloß verwaltet oder blockiert. Nein, es versteht sich als echter Ermöglicher, als Partner, als Förderer, der mit anpackt, statt nur abzuhaken. Und genau das brauchen doch unsere Dörfer: nicht noch mehr Vorschriften, sondern jemanden, der mit ihnen gemeinsam etwas schafft.

Viele probieren es – teilweise machen sie es aber schlecht – und reden hier in diesem Haus über Heimat. Aber Heimat entsteht nicht dadurch, dass man darüber redet oder definiert, wer dazugehört und wer nicht.

Nein, Heimat entsteht, wenn Menschen, die für die Gemeinschaft etwas schaffen wollen, zusammenkommen, ihre Fähigkeiten in den Topf schmeißen und vor allem zusammenarbeiten – nicht weil es ihnen nützt, sondern weil es der Gemeinschaft nützt, weil es unser aller Heimat nützt. Ich bin froh, dass wir mit diesem Haushalt genau diesen Leuten den Rücken stärken.
Und eine Anmerkung sei mir zum Schluss noch erlaubt: Jetzt, wo wir im Parlament über diesen Entwurf beraten, sollten wir vielleicht auch schauen, ob wir noch den einen oder anderen Spielraum finden, um die Mittel zu erhöhen, damit aus diesem Haushalt ein echter Heimathaushalt wird. Denn genau wie auf dem Hof gilt auch bei der Dorferneuerung: Der beste Bulldog bringt nichts ohne das passende Zubehör. Und das muss auch für unsere Heimat gelten; denn unsere Heimat sollte uns jeden einzelnen Cent wert sein.
Herzlichen Dank.