Politics

Stefan Glaser, MdB, CDU/CSU

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und
Herren! Klimaanpassung ist wichtig, um unser Land auf
zunehmende Hitze, längere Trockenperioden und
Extremwetter vorzubereiten. Aber wir lösen diese Probleme
nicht dadurch, dass wir eine neue Gemeinschaftsaufgabe
im Grundgesetz schaffen, weitere Zuständigkeiten
definieren und am Ende neue Förderstrukturen und vor
allem neue Bürokratie aufbauen, sondern indem wir ins
Handeln kommen und die bestehenden Möglichkeiten
und Mittel konsequent und effizient nutzen. Das bedeutet
für Bund, Länder und Kommunen gleichermaßen:
Denken wir vorausschauend im Neubau! Wer heute noch
Kitas, Ganztagsschulen oder Pflegeheime ohne
technisches Klimakonzept baut, handelt schlicht fahrlässig.
Was ich von Anfang an mitplane, ist einfacher, und vor
allem ist es günstiger, als es später nachzurüsten. Wir
haben viele moderne technische und bauliche Lösungen.
Jetzt gilt es, diese zu nutzen.
Wie das funktioniert, habe ich kürzlich in meinem
Wahlkreis gesehen. Ein Unternehmer hat sein
Bürogebäude so geplant, dass die Verschattung genau auf
den Sonnenstand abgestimmt ist. Im Sommer steht die
Sonne hoch und gelangt nicht unmittelbar in die Räume,
im Winter steht sie tief und wärmt. Kombiniert wird das
mit einer Wärmepumpe, die im Winter heizt und im
Sommer kühlt. Das Ergebnis: ein hervorragendes
Raumklima und ein effizientes Gebäude. Und wissen Sie, was
dafür notwendig war? Ein mutiger Unternehmer, ein
guter Architekt und deutsche Ingenieurskunst.

Davon brauchen wir mehr. Wir brauchen eben kein neues
Förderprogramm, keine parallelen Zuständigkeiten und
keine neue Bürokratie.

Apropos Bürokratie. Auch die müssen wir an den
Klimawandel anpassen. Wir alle haben schon Straßenbauer
gesehen – wir haben heute auch davon gehört –, die bei
35 Grad und mehr Teer schaufeln und Straßen
asphaltieren. Das ist unverantwortlich. Aber Arbeitszeitrecht,
Lärmschutz, kommunale Vorgaben und viele weitere
Vorschriften bieten keine Alternative. Hier gäbe es zwei
Hebel, die wir sofort umsetzen könnten: Kompromisse
beim Lärmschutz, damit schon vor 7 Uhr gearbeitet
werden kann, und mehr Flexibilität im Arbeitszeitgesetz:
weg von der starren täglichen Höchstarbeitszeit, hin zu
einer wöchentlichen Betrachtung mit vernünftigen
Ausgleichszeiträumen. Ich weiß nicht, warum dieser geeinte
Vorschlag noch immer nicht vorgelegt wurde.